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Rot-Glün-Blindheit

 
Im Erdkundeunterricht hing mal wieder die riesige Deutschlandkarte auf dem Ständer. Ich wurde aufgerufen und durfte nach vorn kommen. Der Lehrer gab mir den Zeigestock in die Hand und sagte: „Nun zeig mal den Verlauf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich.“ Ich bekam feuchte Hände, weil ich da nur dunkle Farben sehen konnte. Wo sollte denn da eine Grenzlinie sein?
 
Als ich meine Berufsausbildung begonnen habe, erklärte mir eine Kollegin die Rechnungssätze, die aus 5 Blättern in den Farben weiß, rosa, gelb, blau und grün bestanden. Es gab da auch noch Bestellscheinsätze und Lieferscheinsätze mit Farben wie beige, hellgelb, goldgelb, hellgrün, rot und chamois. Meine Aufgabe sollte es nun sein, diese Scheine zu sortieren, zu verschicken und abzulegen. Ich bekam feuchte Hände wie in der Schule.
 
Nun gehe ich nicht mehr zur Schule und die Rechnungssätze wurden inzwischen abgeschafft, aber als mein Freund zu Besuch kam sagte er: „Du hast ja eine neue Brille. Warum hast du dir denn gerade ein grünes Brillengestell ausgesucht?“ – „Äh, mmm, wieso grün? Das ist doch aber sehr dunkel...fast schwarz.“ – „Nein, also ich finde, es ist eindeutig grün.“ – „Ach ja, jetzt sehe ich es auch.“ Das hat er mir sogar geglaubt, denn damals hatten wir uns gerade kennen gelernt und er wusste noch nicht, dass ich farbenblind bin.
 
Früher habe ich das auch nicht jedem erzählt, weil dann meistens viele Fragen folgten und die waren manchmal sogar ziemlich dumm:
 
„Kannst du denn gar keine Farben sehen?“ Natürlich kann ich Farben sehen! Ich weiß nur manchmal nicht genau, welche Farbe es ist und dann verwechsele ich sie eben.
 
„Siehst du das rote Auto?“ Natürlich sehe ich es. Ich bin ja nicht blind.
 
 „Das ist ja schlimm! Kann man nichts dagegen tun?“ Nein, kann man nicht und so schlimm ist es nun auch wieder nicht.
 
„Da siehst du ja gar nicht, wie schön die Natur ist!“ Ja, vielleicht! Aber das stört mich nicht weiter, weil ich es ja noch nie anders gesehen habe.
 
„Darfst du dann überhaupt mit dem Auto fahren?“ Ja, ich darf! Nur für LKW und Bus bin ich ungeeignet.
 
Inzwischen gehe ich offensiver mit meinem Handicap um. Wenn ich Kleidung kaufe, frage ich eine Verkäuferin und wenn ich mir ein neues Brillengestell aussuche, dann frage ich, welche Farbe es hat. Schließlich blamiert man sich nicht, nur weil man eine Farbe nicht richtig erkennt. Das tut man dann viel eher, wenn man behauptet, dass ein grünes Brillengestell dunkelgrau oder schwarz wäre.
 
 

Warum ist man farbenblind?


Auf der Netzhaut der Augen befinden sich verschiedene Foto-Rezeptoren: Stäbchen und Zapfen. Die Zapfen sind für das Farbsehen zuständig und unterteilen sich in drei Typen für die einzelnen Grundfarben: Rot, Grün und Blau. Besteht ein Defekt bei einem oder mehreren Typen, kommt es zu einer Farbsinnstörung, weil eine oder mehrere Farben nicht oder nur teilweise wahrgenommen werden. Am häufigsten kommt es dabei zu einer Rot-Grün-Störung.
 
Eine Schädigung oder ein Defekt der Zapfen ist in den meisten Fällen angeboren und wird vererbt. Frauen sind davon nur recht selten betroffen, denn die Erbanlagen befinden sind in den X-Chromosomen, von denen Frauen, im Gegensatz zu Männern, ja bekanntlich zwei besitzen. In seltenen Fällen hat man jedoch das Pech, dass in beiden X-Chromosomen falsche Informationen vorhanden sind.
 
Daraus ergibt sich, dass 7,5 % der Männer und nur 0,25 – 0,5 % der Frauen eine Farbsinnstörung haben.   
 
 
Wie wird festgestellt, ob eine Farbsinnstörung vorliegt?
 
Eine Methode ist der Test mit den Ishihara-Tafeln. Das sind Tafeln mit Punkten in verschiedenen Farben, die leicht verwechselt werden können. Farbentüchtige Menschen können aus diesen Punkten Zahlen und Buchstaben herauslesen. Farbenschwache oder Farbenblinde können das nicht oder erkennen nach langem Hinschauen andere Zeichen.
 
Eine andere und genauere Methode ist der Test mit dem Anomaloskop. Genauer deswegen, weil hier ein Quotient ermittelt wird. In diesem Gerät sieht man zwei farbige Felge. Eines davon ist gelb. Nun dreht man an einem Rad, bis das andere exakt das gleiche Gelb hat. So kann man erkennen, wie stark die Farbsinnstörung ist.
 
 
Wie sieht ein Rot-Grün-Blinder?
 
Meine Kunstlehrerin hat mal gesagt, dass meine Bilder immer irgendwie herbstlich wirken. Als ich nachfragte, woran sie das erkennt sagte sie, dass man es an den Farben sieht. Also gehe ich mal davon aus, dass ich die jahreszeitlich veränderbaren Dinge anders wahrnehme, als andere Menschen. Das finde ich aber nun nicht weiter schlimm, denn ich sehe Blühten, Blätter, Bäume, Felder und Wiesen eben so, wie ich sie immer sehe und ich kann mir auch absolut nicht vorstellen, wie sie denn sonst aussehen könnten. 
 
Die Laubfärbung, von der manche Menschen so begeistert sind, beeindruckt mich nicht so sehr. Außer, dass manche Blätter irgendwie hell oder gelb werden, sehe ich eigentlich keinen großen Unterschied.
 
Ach ja und woran erkennt man eigentlich, ob die Äpfel, Birnen und Kirschen an den Bäumen schon reif sind? Man muß sie pflücken und probieren!
 
Im täglichen Leben mache ich natürlich immer wieder die Erfahrung, dass ich Farben verwechsele. Deswegen bin ich auch immer sehr zurückhaltend, wenn über Farben gesprochen wird. Ich verwechsele z.B. manchmal Rot oder Grün mit Braun oder Gelb, Lila mit Blau oder Rot und Grün mit Grau und auch Rot mit Grün.
 
Bei blassfarbenen Blättern von Rechnungs- und Lieferscheinsätzen muß ich passen. Bei den Pastelltönen, mit denen Wände gestrichen werden, natürlich auch. Ich weiß jetzt auch nicht, ob mein Schreibtisch Eiche, Nussbaum oder Kiefer ist. Woran erkennt man das eigentlich? Wenn ich morgens vor meinem Kleiderschrank stehe, kann ich nicht so genau sagen, welche Farbe ein t-shirt hat. Aber bei hellem Tageslicht geht das dann schon viel besser. Manchmal ziehe ich verschiedene Socken an. Das kann schon mal passieren. Aber mein Lippenstift ist ROT! Das weiß doch schließlich jeder.
 
Ich weiß allerdings nie, ob Farben zueinander passen oder ob sie harmonieren. Früher dachte ich immer, dass Farben harmonieren, wenn sie gleich oder ähnlich aussehen. Aber inzwischen bin ich überzeugt, dass farbliche Harmonie für mich ganz anders aussieht, als für Farbtüchtige.
 
Am meisten ärgert es mich, wenn ich mal wieder einen Text nicht lesen kann, weil die Schriftfarbe kaum einen Kontrast zum Hintergrund hat. Das passiert bei Verpackungen, Zeitschriften, CD-Hüllen und natürlich auch am PC. Manchmal geht es besser, wenn ich damit ans Tageslicht gehe, aber manchmal geht es eben gar nicht und ich bemerke auch nicht, dass es da überhaupt was zu lesen gibt. Und das wird mir dann noch nicht einmal geglaubt!
 
Und dann gibt es hin und wieder dieses Problemchen mit Grafiken, in denen Kurven in verschiedenen Farben dargestellt werden. Woher soll man dann wissen, welche Kurve was ausdrückt, wenn sie farblich doch alle gleich aussehen? 
 
 
Was kann man dagegen tun?
 
Nichts! Der Schaden an der Netzhaut lässt sich leider nicht reparieren und meine Brille trage ich ganz einfach weil ich kurzsichtig bin:

 
 
 
Es gibt aber ein paar hilfreiche Tricks:
 
Ich kann Farben bei Tageslicht wesentlich besser erkennen, als bei Kunstlicht.
 
Wenn ich Farben miteinander vergleiche, erkenne ich oftmals einen Unterschied,  obwohl ich eigentlich dachte, dass sie gleich wären.
 
Manchmal hilft auch eine Lupe, denn je größer die Fläche, desto besser lässt sich die Farbe erkennen.
 
 
 
 
 




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